Erfurt/Düsseldorf, den 20.09.2012

*Erfurt: *Am 18.09.2012 veranstaltete die Fußgruppe einen Aktionstag in
Erfurt. Er begann mit einer Kundgebung und einer Pressekonferenz vor dem
Thüringer Landtag. Im Anschluss führte ein Demonstrationszug von ca. 200
Menschen, bestehend aus Geflüchteten, Unterstützer_innen und
sympathisierenden Bürger_innen, durch die Stadt Erfurt, wobei mehrere
Kundgebungen unter anderem vor den vier Flüchtlingsheimen durchgeführt
wurden. Die Abschlusskundgebung fand am Erfurter Hauptbahnhof statt, bei
der nochmals die Situation der Flüchtlinge in Deutschland ausführlich der
Öffentlichkeit geschildert wurde.

Die Polizeipräsenz bestand zu Beginn lediglich aus sechs Beamten, die bei
einer Störaktion der NPD während der ersten Kundgebung vor dem Thüringer
Landtag sichtlich überfordert waren. Die Aktivist_innen des Protestmarsches
entrissen den Neonazis rassistisches Propagandamaterial und verdrängten sie
anschließend vom Kundgebungsort. Später wurde für den Demonstrationszug die
Polizeipräsenz massiv erhöht. Es stellt sich die Frage, warum die Polizei
auf solche Vorfälle nicht vorbereitet war, da bereits im Vorfeld bekannt
war, dass die NPD-Bundesgeschäftsführung zu solchen Störaktionen aufgerufen
hatte und darüber hinaus erst kürzlich Medienberichte zu verstärkter
rechter Gewalt in Erfurt veröffentlicht worden sind.

Im Folgenden finden sich Auszüge aus der Rede eines Flüchtlings und
Teilnehmers am Protestmarsch auf der Demonstration in Erfurt:

„Vor sechs Monaten entschieden wir uns für den Weg des Widerstands. Dafür
sind wir auf die Straße gekommen, sind in den Hungerstreik getreten, haben
unsere Lippen zugenäht, haben mit Menschen von Angesicht zu Angesicht
gesprochen. Seit elf Tagen nun schreiten wir gemeinsam voran, auf dem Weg
nach Berlin, um die Absurdität der Residenzpflicht unter Beweis zu stellen.
Denn wir sind Menschen, die keine Fesseln dulden. Und um diese zu sprengen
ist uns kein Weg zu beschwerlich. (…) Alle Menschen, ob
Asylbewerber_innen oder Bürger_innen, fordern wir auf sich uns
anzuschließen, um gemeinsam eine menschlichere Welt zu erreichen.“

Unter folgenden Links finden Sie Fotoaufnahmen (aufgenommen von Mahdiyeh
Tayefeh Kalhori), über deren Veröffentlichung mitsamt Quellenangabe wir uns
freuen würden.

https://dl.dropbox.com/u/83559840/IMG_3775.JPG
https://dl.dropbox.com/u/83559840/IMG_3645.JPG
https://dl.dropbox.com/u/83559840/IMG_3585.JPG
https://dl.dropbox.com/u/83559840/IMG_3540.JPG

Unter folgendem Link finden Sie außerdem aktuelle Erklärungen des
Protestmarsches unter anderem zur kürzlichen Sammelabschiebung in
Düsseldorf sowie zu Selbstmorden und Selbstmordversuchen in deutschen
Flüchtlingslagern, die durch einen weiteren Suizidversuch in Bogen* am
18.09. erneut an trauriger Aktualität gewinnt:
http://www.refugeetentaction.net/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=18&Itemid=150&lang=de

*Düsseldorf:* Für die Bustour wurde wieder einmal deutlich, wie
effektiv staatlicher – im Vergleich zum nichtstaatlich organisierten Rassismus der Faschist_innen in Erfurt – Rassismus arbeitet: Die Aktivist_innen der Bustour und
lokale Unterstützer_innen sammelten sich um 8 Uhr morgens am düsseldorfer
Flughafen um gegen eine Sammelabschiebung in den Kosovo zu protestieren,
die gemeinsam von der Fluglinie Airberlin und staatlichen
Deportationsstrukturen organisiert wurde. Rund 30 Aktivist_innen standen an
verschiedenen Fracht-Gates des Flughafens, aber alles, was sie sehen
konnten, war ein massives Polizei-Aufgebot, und um etwa 9 Uhr einen leeren
Linienbus mit Eisengittern, der das Gate verließ – Die Deportation wurde so
umorganisiert, dass der Gefangenenbus nicht an den Protestierenden vorbei
kam. Diese Deportationen finden in Düsseldorf alle zwei Wochen statt und
ihnen wird normalerweise in und um den Flughafen mit Protesten begegnet.
Die Ignoranz der Bevölkerung insgesamt ist allerdings schockierend.

Nach der Deportation wurde im Flughafen zwei Stunden lang demonstriert und
hauptsächlich vor Check-in-Schaltern von Airberlin und Lufthansa deutlich
auf deren Geschäft mit Sammelabschiebung hingewiesen und auch auf die enge
Verknüpfung von Unternehmens-Profiten und staatlichem Rassismus, die dazu
führt, dass Menschen morgens geweckt und aus ihrem Zuhause verschleppt
werden. Die Protestierenden trafen auf zwei junge Menschen, deren Mutter an
diesem Morgen mit dem Deportations-Flug in den Kosovo verfrachtet wurde.
Obwohl den Protestierenden die grausame Abschiebe-Praxis bekannt ist, war
es schockierend zu sehen wie am Flughafen die Angestellten von Airberlin,
die Polizei, die gerade Menschen deportiert hatte und die Familien von
denjenigen, die Opfer dieser Verbrechen wurden, aufeinander trafen.

Das Koordinationskommittee des Protestmarsches der Flüchtlinge nach Berlin

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